Ausstellung, Herbst 1999
RADIX-BLÄTTER
Ausstellung, 14. Oktober – 18. Dezember 1999, im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Herbst 1989 – 1999. Leipzig erinnert an die Friedliche Revolution«.
Der Untergrund-Verlag Radix-Blätter publizierte zwischen 1986 und 1989 insgesamt elf Hefte im Umfang von 60 bis 110 Seiten, sowie verschiedene kleinere Flugschriften und Aufrufe. Hierbei überwiegen zu Beginn eher die künstlerischen Beiträge, später – ab Herbst 1987 – die politischen Texte. Der vielseitige Inhalt der Hefte reicht von Auseinandersetzungen mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, über Kunst- und Gesellschaftskritik sowie politische Themen, bis hin zu Aspekten der Nachbarschaft zwischen Polen und Deutschen.
Es ist anzunehmen, daß die Staatssicherheit die eher künstlerischen Hefte zwar beobachtete, jedoch duldete; die Autoren der politisch akzentuierten Hefte waren hingegen Repressionen des MfS ausgesetzt. Obwohl der Verlag räumlich und finanziell eigenständig arbeitete, gewährte die evangelische Kirche einen gewissen Rückhalt, machte sich jedoch die all zu politischen Inhalte nicht zu eigen, da man eine Verschlechterung des Staat-Kirche-Verhältnisses befürchtete. Verbreitet waren die Hefte in der Berliner Szene und im Umfeld der (insgesamt 112) Autoren. Darüber hinaus ist anzunehmen, daß nur einige Hefte – dem thematischen Schwerpunkt entsprechend – vereinzelt in den jeweiligen oppositionellen Kreisen bekannt waren.
Neben anderen Untergrundzeitschriften trugen die Radix-Blätter dazu bei, daß sich ab 1986/87 das Spektrum inoffizieller Publizistik verbreiterte, ein Forum zur Debatte gesellschaftlicher und politischer Veränderungen entstand und sich Strukturen einer unabhängigen Kommunikation innerhalb der oppositionellen Szene etablierte.
In einer Ausstellung zeigte der Leipziger Kreis die Geschichte des Verlages und erörterte die Inhalte seiner Veröffentlichungen. Die Ausstellung war im Herbst 1999 in Leipzig, im Hörsaalgebäude der Universität, zu sehen. Im Jahr 2000 wurde sie in Freiburg im Breisgau, im Rahmen des Projekts Dunkeldeutschland in der Universitätsbibliothek, gezeigt. Zur Ausstellung erschien ein Begleitheft.






