Thomas Klemm / Christian Lotz / Katja Naumann (Hg.): Der Feind im Kopf.
Künstlerische Zugänge und wissenschaftliche Analysen zu Feindbildern.

Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2005.
Studien des Leipziger Kreises. Forum für Wissenschaft und Kunst, Band 4
ISBN: 3-86583-045-5, 251 Seiten, 30,00 EUR.
Aus dem Vorwort
Der vorliegende Band versammelt die Ergebnisse eines etwa zweijährigen Projekts des Leipziger Kreises, in dessen Verlauf sich insgesamt acht künstlerische Werke und fünf wissenschaftliche Studien verschiedene Wege zum Feindbild bahnten. Die künstlerischen Werke thematisieren vor allem gegenwärtige Feindbilder, wie sie etwa bei Demonstrationen bedient oder auf Gruppen in und außerhalb der Gesellschaft projiziert werden. Demgegenüber richten die wissenschaftlichen Studien den Blick zurück in die Vergangenheit und untersuchen für die Nachkriegszeit einerseits Feindbilder in Deutschland und andererseits die Deutschen als Feindbild. Die unterschiedliche zeitliche und thematische Distanz zum Gegenstand markiert einen Spannungsbogen, an dem entlang sich vielseitige Zugänge in diesen Band eröffnen.
Die fünf wissenschaftlichen Studien sind in diesem Zusammenhang nicht isoliert voneinander zu verstehen. Zwar ist jede Studie von einem jeweils spezifischen Fokus gekennzeichnet, der Gehalt des wissenschaftlichen Projektteils besteht jedoch gerade in der Kombination der einzelnen Studien, die sich entlang der in der Einleitung entworfenen gemeinsamen Fragestellung und Definition des »Feindbildes« entfalten. Insofern markiert die wissenschaftliche Einleitung nicht die Eröffnung eines weiten Rahmens, sondern vielmehr den Ausgangspunkt einer Bahn, deren Schlußpunkt die Zusammenfassung zu setzen anstrebt. Der künstlerische Teil hingegen zielt nicht auf eine derart gelagerte innere Konsistenz: Die einzelnen Arbeiten gehen nicht von einer gemeinsamen Frage und schon gar nicht von einem einheitlichen Begriff des »Feindbildes« aus, sondern setzen an ganz verschiedenen Stellen an, von denen aus sie sich ihren Weg zum Feindbild suchen. Dennoch finden sich zwischen den einzelnen Arbeiten zahlreiche Bezugspunkte, die sie nicht als bindungslose Versatzstücke zwischen wissenschaftlichen Texten erscheinen lassen.
Vielmehr zeigt sich ein alle Arbeiten durchquerender Pfad an jenen Stellen, wo der Betrachter bei der Rezeption der einzelnen Arbeiten seine Wahrnehmung zu den bearbeiteten Problemstellungen, gleichsam seinen Umgang mit Feindbildern, zu hinterfragen hat, bestätigt findet und in einen größeren Zusammenhang einordnen kann.
So sehr wie sich diese Publikation gegen eine Zuordnung in gängige buchhändlerische Kategorien sperrt, so deutlich will sie Bezugspunkte zwischen den wissenschaftlichen Studien und den künstlerischen Werken herausstellen – ganz gleich, ob der Leser und Betrachter dieses Buch als Tagungsband oder Ausstellungskatalog in die Hand nimmt. Jede dieser beiden Zuschreibungen bedarf immer der anderen, um die angestrebte Gesamtwirkung zu erreichen. So erklärt sich auch der Aufbau dieses Bandes, der künstlerische und wissenschaftliche Teile miteinander zu verweben versucht, ohne damit allerdings den Charakter der einzelnen Studien und Arbeiten aufzuweichen oder erforderliche Abgrenzungen und notwendige Zwischenräume aufheben zu wollen: Weder dient Wissenschaft zur Erläuterung künstlerischen Arbeiten, noch Kunst zur Illustration der wissenschaftlichen Ergebnisse. Vielmehr nehmen die in diesem Band versammelten wissenschaftlichen Studien und künstlerischen Arbeiten in vielfältiger und spannungsreicher Art und Weise aufeinander Bezug. Um diese Bezüge immer wieder neu herzustellen, zu hinterfragen – und gegebenenfalls auch wieder zu zerlegen – ist diese Veröffentlichung auf den Leser und Betrachter angewiesen, der sich gleichermaßen eingeladen wie herausgefordert fühlen soll, das Konzept hinter dieser nicht ganz gewöhnlichen Form der Präsentation von künstlerischen und wissenschaftlichen Ergebnissen mit seiner Aufmerksamkeit zu komplettieren.






