Workshop, Herbst 2003
ART-E-FACT – Über die Fiktionalität wissenschaftlichen Darstellens
Workshop am 23. Oktober 2003 und 6./7. November 2003, in Kooperation mit dem Fachschaftsrat des Historischen Seminars der Universität Leipzig.
Das Projekt Art-e-Fact wurde vom Leipziger Kreis in Kooperation mit dem Fachschaftsrat des Historischen Seminars der Universität Leipzig konzipiert und umgesetzt. Ziel des Projekts war es, über das bestehende Lehrangebot an der Universität hinaus der Auseinandersetzung mit aktuellen Theoriedebatten der Geistes- und Sozialwissenschaften Raum zu geben, die mit der Frage nach der Faktizität und Fiktionalität wissenschaftlichen Darstellens verbunden sind. Innerhalb der Geschichtswissenschaft wurde in den letzten Jahrzehnten vor allem in der englischsprachigen Forschungsdiskussion die Tatsache in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt, dass wissenschaftliche Texte gestaltete Texte sind. Trotz des Anspruches der Texte, sich auf historische Fakten zu beziehen, entwickelte sich zunehmend eine Sensibilität dafür, dass beim historiographischen Schreiben die Darstellungsform die Inhalte mitbestimmt und die Art der Darstellung maßgeblich die durch den Text erzeugte Vorstellung von historischer Realität beeinflusst.
Die Diskussionen – vor allem um die Arbeiten Hayden Whites und anderer Theoretiker – führten zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Narrativität geschichtswissenschaftlicher Darstellung und lösten eine Selbstreflexion des Faches aus. In diesem Zusammenhang wurden u.a. die Fragen diskutiert, welche Bedeutung das Erzählen für die Darstellung von Geschichte hat, und ob historisches Erzählen den gleichen Bedingungen unterliegt wie literarisches Erzählen und deshalb mit vergleichbaren Methoden zu betrachten ist. Auch in anderen Geistes- und Sozialwissenschaften, wie etwa der Ethnologie, richtete sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf die sprachlichen Mittel der wissenschaftlichen Texte. In all diesen Auseinandersetzungen wird auf sprachphilosophische und literaturwissenschaftliche Methoden und Theorieansätze zurückgegriffen. Die Debatten haben aber auch auf die Literaturwissenschaft zurückgewirkt und vor allem im Umfeld des New Historicism/ Poetics of Culture zur Entwicklung neuer methodischer Ansätze geführt.
Im Rahmen des Projektes Art-e-Fact fanden zwei einführende Vorträge und ein Workshop statt. Am 23. Oktober 2003 sprach Dr. Daniel Fulda (Universität Köln) zu „Fiktion in welchem Sinne? Wissenschaftliches Schreiben zwischen Realitätsbezug und Autonomie“, am 6. November 2003 referierte Alessandro Barberi (Bauhaus-Universität Weimar) zum Thema „Science Fiction. Zum Verhältnis von Literatur, elektronischen Medien und Historiographie“. Am darauf folgenden Tag wurden in einem Workshop grundlegende theoretische Texte analysiert und am Beispiel zweier Arbeiten die praktischen Probleme diskutiert: Nicole Muennich referierte zum „Historiographischen und literarischen Diskurs über das Lager Goli Otok in Jugoslawien“; Katja Schmieder stellte ihr Promotionsvorhaben zur „Popularisierung der Forensik im zeitgenössischen Kriminalroman“ vor.






