Kolloquium, November 2006

Die Kunst, Bilder zum Sprechen zu bringen

Kolloquium, 26. November 2006, Frankreichzentrum der Universität Leipzig

Unter dem Titel „Die Kunst, Bilder zum sprechen zu bringen – Kunst-, Geistes- und Sozialwissenschaften im Dialog“ veranstaltet der Leipziger Kreis am 24. November 2006 ein interdisziplinäres Kolloquium, das sich dem Potential von Bildquellen für die Zeitgeschichtsforschung widmet. Nachwuchswissenschaftler aus mehreren europäischen Ländern stellen dazu aktuelle empirische Forschungsprojekte vor, die Bildquellen für ihre Untersuchung nutzen. Ziel der Veranstaltung ist es, disziplinenübergreifend die Grenzen, Potentiale und Schwierigkeiten bei der Analyse von bildlichen Repräsentationen herauszuarbeiten und die konkreten Arbeits- und Auswertungsprozesse in den Mittelpunkt zu rücken.

Das Programm des Kolloquiums setzt sich aus drei thematischen Blöcken zusammen, die jeweils unterschiedliche Wirkungsformen bildlicher Darstellungen thematisieren. Der erste Teil der Veranstaltung widmet sich visuellen Repräsentationen als Ausdruck von Raumvorstellungen, Weltordnungen und Selbst- und Fremdverständnissen. Eva TROPPER (Universität Graz) befasst sich mit Ansichtskarten als globalem Bildmedium und zeigt, wie sich an ihnen Diskurse und Praktiken veränderter Raumvorstellungen am Ende des 19. bzw. zu Beginn 20. Jahrhunderts verdichtet haben. Daniela KNEISSL (Deutsches Historisches Institut Paris) wendet sich trans- und international verbreiteten Pressefotografien der 1960 bis 1990er Jahre zu und untersucht, wie darin Europa als politischer, kultureller und sozialer Raum in der Öffentlichkeit konstruiert und repräsentiert wurde.

Der zweite Teil des Kolloquiums steht unter der Überschrift „Visualisierungen als Wahrnehmungsform“. Aus wissenschaftshistorischer Perspektive rückt Natascha ADAMOWSKY (Humboldt-Universität zu Berlin) die Meeresforschung in den Blick. Im Mittelpunkt steht bei ihr der Prozess, in dem das bei den Tauchgängen Gesehene, Unbekannte visualisiert wird und somit Erklärung und Vermittlung an andere ermöglicht. Martina SAUER (Bühl) wendet sich abstrakter Kunst zu, die den Nationalsozialismus thematisiert. Sie wird die These begründen, dass jenseits von Gegenstandsabbildungen in den untersuchten Bildern vorsprachliche Sinnstrukturen enthalten sind, durch die das Nichtsag- oder Nichtbeschreibbare bestimmter Aspekte der Geschichte des Nationalsozialismus artikulierbar und darstellbar wird.

Im dritten und letzten Abschnitt der Veranstaltung werden Visualisierungen als Wahrnehmungsform thematisiert. Christian LOTZ (Universität Stuttgart/ Leipziger Kreis. Forum für Wissenschaft und Kunst) fragt nach „Politischen Ikonographien in Fotographien und Landkarten“ und untersucht den Einsatz von Symbolen und symbolhaften Darstellungen von Landesgrenzen, Staatsgebieten usw. in den Ländern Mitteleuropas. Ulrike PANNEN widmet sich visuellen Repräsentationen von Politikern, die sich in den Medien vor Kunstwerken inszenieren. Dabei kommt es ihr darauf an, den Zusammenhang von Politikern und Kunst aufzuzeigen, indem sie verdeutlicht, wie mit Hilfe von Kunst medial geschaffene Images von den Abgeordneten des Deutschen Bundestages gezielt eingesetzt werden.