Herbst 2007

Politische Kontroversen um Karten. Themen und Methoden der Analyse

Kolloquium und Workshops, 14. und 15. September 2007

Links: In der Kartensammlung des Instituts für Länderkunde; Christian Lotz und Heinz-Peter Brogiato im Gespräch, daneben Petra Svatek (halb verdeckt), Tomas Oršulák und Steven Seegel (v.l.n.r.)

Die Erforschung des Raumes hat seit den 1990er Jahren einen Aufschwung in den historisch arbeitenden Disziplinen erfahren. Das Spektrum der Untersuchungen zur Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts reicht von Analysen der sozialen Strukturierungen des Raumes, der politischen Durchdringungen des Raumes und der Wahrnehmungen des Raumes. Eine erhöhte Aufmerksamkeit haben dabei auch Atlanten, Landkarten und Stadtpläne als Quellen erfahren.

Waren diese zuvor lediglich in der historischen Kartographie eine selbstverständliche Grundlage der Forschung, wurden nun die methodisch geöffneten Geschichts- und Kulturwissenschaften auf Kartenwerke aufmerksam. Karten traten als Quelle neben die bislang hauptsächlich ausgewerteten textlichen Dokumente. Einerseits hat diese Perspektivenerweiterung einen neuen Austausch zwischen den Disziplinen befördert. Andererseits sind allgemeine Ausführungen über die sich neu bietenden Möglichkeiten schneller geschrieben worden, als fundierte Analysen auf der Grundlage klar umrissener Quellenbestände.

Während des Kolloquiums (v.l.n.r.): Tomas Oršulák, Pavel Raška (beide JEP-Universität, Usti nad Labem/ Aussig), Steven Seegel (Worcester State College, Massachusetts), Petra Svatek (Universität Wien), Wolfgang Kreft (Herder-Institut Marburg), Manuel Schramm (Technische Universität Chemnitz).

In Zusammenarbeit mit der ZEIT-Stiftung Gerd und Ebelin Bucerius organisiert der Leipziger Kreis ein Kolloquium und mehrere Workshops. Sie wollen die Auswertung von Karten als Quellen in den Mittelpunkt rücken. Thematisch sollen dabei drei Themenfelder berührt werden:

1. Karten als Gegenstand politischer Kontroversen: Welche öffentlichen und nicht-öffentlichen Auseinandersetzungen wurden während des 19. und 20. Jahrhunderts um die Gestaltung und Herstellung von Karten ausgefochten? In welcher Weise wurden Karten für politische Zielsetzungen eingesetzt? Welche Debatten werden über veröffentlichte Karten ausgetragen?

2. Karten als Quellen historischer Raumvorstellungen: Welche Auskunft geben Karten über die Wahrnehmungen eines (bekannten oder unbekannten) Raumes? Was sagen Karten über die Veränderungen solcher Wahrnehmungen im Verlauf der Zeit aus?

3. Methoden der Kartenanalyse: Mit welchen Methoden lassen sich Karten im ganzen sowie Bestandteile von Karten (Farbgestaltung, Signaturen, Sprache usw.) analysieren? Welche Wege eignen sich zur Analyse der Wahrnehmung von Karten und der Wirkung von Karten auf ihre Betrachter?

POLITISCHE KONTROVERSEN UM KARTEN. THEMEN UND METHODEN DER ANALYSE

Programm (Stand: 14. September 2007, 07:00 Uhr)

Freitag, 14. September 2007

Ort: Frankreichzentrum der Universität Leipzig, Thomaskirchhof 20, 04109 Leipzig

10:00 Begrüßung / Einführung

1. PANEL

10:30 Steven Seegel (Worcester, Massachusetts): The Political Construction of Nationalitäten in Late 19th-century East-Central European Maps: The Why and the Where

10:50 Petra Svatek (Wien): Kontinuitäten und Wandlungen der Kartographie und Raumforschung in Österreich 1918–1945 unter besonderer Berücksichtigung von Karten über Ungarn und das Burgenland. Methodische Analysen und politischer Kontext

11:10 Christian Lotz (Leipzig / Warschau): „Problem niemiecki“. Der Streit um die kartographische Darstellung der polnischen Westgebiete nach 1945.

anschließend Diskussion

12:30 Pause

2. PANEL

14:00 Dirk Hänsgen (Leipzig): Geodesign und Geopolitik – Methodische
Überlegungen zu Karten als Medium politischer Kontroversen

14:20 Bruno Schelhaas (Leipzig): Petermanns Geographie-Werkstatt. Kartographische Visualisierung und der geographische Wissenstransfer im
19. Jahrhundert

anschließend Diskussion

15:30 Pause

3. PANEL

16:00 Manuel Schramm (Chemnitz): Ökologie und Kartographie. Darstellung und Wahrnehmung von Umwelt durch bundesdeutsche und US-amerikanische Kartographen im 20. Jahrhundert im Vergleich

16:20 Tomas Oršulák / Pavel Raška (Ostrau und Brünn): Reconstructing Historical Landscapes – Finding the Continuum of Regional Identity. Using the old maps for landscape planning in formerly socio-culturally disturbed regions

anschließend Abschlußdiskussion

Kolloquiumssprachen sind Deutsch und Englisch. Eine Teilnahmegebühr wird nicht erhoben. Um Anmeldung wird bis 12. September 2007 gebeten.

Samstag, 15. September 2007

Workshops

10:00 bis 15:00 Uhr

1. Sammlung, Archivierung und Restaurierung von Karten (Ort: Institut für Länderkunde, Leipzig-Paunsdorf)

2. Karten als Quelle in den Geschichtswissenschaften

3. Kartographie und Kunst

4. Kartographie und internationale Beziehungen.

Das Kolloquium und die Workshops wurden gefördert von den ZEIT-Stiftung Gerd und Ebelin Bucerius.