Kunst- und Forschungsprojekt, 2007

Die Gegenwart des Vergangenen. Strategien im Umgang mit künstlerischen und architektonischen Überlieferungen der DDR und Osteuropas

Kolloquium und Ausstellung, 08.-16. Dezember 2007

Thomas Klemm und Kathleen Schröter bei der Eröffnung der Ausstellung »Die Gegenwart des Vergangenen«

Mit dem Ende der kommunistischen Diktaturen Mittel- und Osteuropas begann eine heftige Auseinandersetzung um den Umgang mit den künstlerischen und architektonischen Hinterlassenschaften der ehemaligen Regime. So führte beispielsweise der Rückbau des »Palastes der Republik« in Berlin zu jahrlangen Kontroversen. Die politisch und emotional aufgeladenen Diskussionen ließen eine immer größere Distanz zwischen jenen entstehen, die den Abriß befürworteten und jenen, die eine Bewahrung forderten. Dabei weist diese Debatte in ihrem Anliegen weit über das konkrete Gebäude und Berlin und Deutschland hinaus. Mit ihr ist ein zentraler Aspekt des Umganges mit jener Vergangenheit angesprochen, die in Lebenswelt und Alltag noch immer visuell präsent ist. Was lohnt es zu erhalten, zu musealisieren, einer gewandelter Nutzung zu übergeben und mit welchen Argumenten läßt sich eine Beseitigung, ein Verdrängen und Vergessen begründen? Die Antworten darauf entstehen in einer Spannung zwischen künstlerischem und architektonischem Wert einerseits, erinnerungspolitischer Einordnung und Bewertung andererseits.

Dieser Thematik wendet sich ein Kunst- und Forschungsprojekt des Leipziger Kreises. Forum für Wissenschaft und Kunst zu. Nachwuchswissenschaftler und Künstler befassen sich dabei gemeinsam mit der Geschichte, Gegenwart und Zukunft der architektonischen und künstlerischer Überlieferungen aus dem Sozialismus. Der Blick geht über Deutschland hinaus und vergleicht systematisch, wie in den Ländern Mittel- und Osteuropas mit den Gebäuden, Mauern Herrschaftssymbolen und der Kunst aus kommunistischer Zeit umgegangen wird.

Ausstellung

Andreas Böhmig: »Convenient location, comfortable conditions«

Mandy Gehrt: »Haus der Kultur«

Margret Hoppe: Ohne Titel

Maria Kiesner: »Poczta« und »Supersam«

Heike Klussmann: »Berlin Alexanderplatz – Kaufhof Reverse«

Verena Landau: »ensemble«

Pia Lanzinger: »Nowa Huta History Playground«

Andrea Pichl: Ohne Titel und Zeichnung zur Installation »Cause I Wanna Be Anarchy«

Inken Reinert: Ohne Titel, aus der Serie »bauten 2«

Birgit Schlieps: »Prospective pyramids«

Robert Stark: »3A 04, 2004« und »4A 04, 2004«

Piotr Żyliński: »Rotunda, 2007«

Während der Ausstellungseröffnung

Kolloquium

DIE GEGENWART DES VERGANGENEN. Strategien im Umgang mit sozialistischer Repräsentationsarchitektur

Kolloquium und Eröffnung der Ausstellung am Samstag, 08. Dezember 2007

Tapetenwerk Leipzig, Halle C – Lützner Straße 91 – 04177 Leipzig

PROGRAMM

10:00 –10:30 Uhr
Begrüßung

10:30 –11:00 Uhr
Einführender Vortrag, Jan Bartknecht (Istanbul/Berlin)

11:00–12:30 Uhr
Panel 1 Künstlerische Strategien im Umgang mit Repräsentationsarchitektur/Denkmälern

Silke Wagler, M.A. (Dresden):
»Spuren an der Wand« – Zeitgenössische Reflexionen zum Umgang mit Kunst im öffentlichen Raum aus der DDR

Astrid Henning, M.A. (Hamburg):
Friede den Hütten! Krieg den Palästen! Die Rettung des Volkes bei Georg Büchners »Hessischer Landbote« und Volker Brauns »Krieg den Hütten, Friede den Palästen!«

12:30–13:30 Uhr Mittagspause

13.30–15.30 Uhr
Panel 2 Neuinterpretationen von Repräsentationsarchitektur

Cornelia Siebeck M.A. (Berlin):
»Gerechte Erinnerung« oder »Ideologie der Ideologielosigkeit«? Hegemoniales Gedächtnis und Gegengedächtnisse in Buchenwald nach 1990

Hanna Steinmetz B.A. cand. M.A. (London):
›Volkspalast‹. Über die Verarbeitung von Erinnerungskonstruktionen im Gerippe des Palastes der Republik.

Tobias Michael Wolf M.A. M. Sc. (Wiesbaden):
Banalisierung durch Kommerzarchitektur contra Erhalt denkmalwerter Substanz – DDR-Warenhausarchitektur im Spannungsfeld zwischen Zeugniswert, Stadtplanung und Investoreninteressen

15:30–16:00 Uhr Kaffee-Pause

16:00–17:30 Uhr
Panel 3 Umgang mit Denkmälern im ehemals geteilten Berlin

Laura Aurelia Meier-Ewert M.A. (Berlin):
Was tun mit Lenin? Zum Umgang mit politischen Denkmälern der DDR in Berlin nach 1989/90

Dr. Axel Klausmeier (Cottbus):
Die Reste der Berliner Mauer: Eine streitbare Denkmallandschaft

18:00–19:30 Uhr
Podiumsdiskussion zum Umgang mit Repräsentationsarchitektur der DDR und Osteuropas
Es diskutieren: Prof. Dr. Thomas Topfstedt (Leipzig), Geschäftsführender Direktor am Institut für Kunstgeschichte der Universität Leipzig; Dr. Norbert Baron (Leipzig), Leiter Abteilung Denkmalschutz der Stadt Leipzig; Jens Fischer (Leipzig), Stadtplaner und Architekt

20:00 Uhr
Eröffnung der Ausstellung »Die Gegenwart des Vergangenen«

Der Tagungs- und Ausstellungsort, das Tapetenwerk in Leipzig, ist vom Hauptbahnhof mit der Straßenbahnlinie 15 zu erreichen, Haltestelle Henriettenstraße. Die Ausstellung ist bis Sonntag, 16. Dezember 2007 zu sehen.

Während des Kolloquiums, v.l.n.r.: Dr. Axel Klausmeier, Laura Aurelia Meier-Ewert und Dr. Anne C. Kenneweg

Die Ausstellung und das Kolloquium im Dezember 2007 werden gefördert von der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.